Donnerstag, 23. April 2015

Ein Kerzenleben



Da stand sie nun. Unbeobachtet und allein gelassen. Von keinem gewürdigt. Was hatte sie stolze Tagen verbringen dürfen. Als noch Gäste kamen und Feste gefeiert wurden. Jetzt steht sie nur da. Nur manchmal erinnert sich der Hausherr an sie. Aber nur, wenn sich Besuch ankündigt.  Er würde von sich aus nicht auf den Gedanken kommen. Und wenn doch. Dann sind es traurige Momente. Er bedarf ihrer, er bedient sich ihrer, weil dunkle Gedanken ihn durchdringen  oder anderen gedacht werden soll. Manchmal wir sie auch einfach ausgetauscht und steht oder liegt in einer Vitrine oder Schublade. Dann lebt sie in der Hoffnung.  Doch:

Es war einmal eine gelbe, die nach Frühling duftete. Immer musste sie mit ihrer ganzen Kraft und allein den Raum erfüllen, stets ohne  Artgenossinnen. Eines  Morgens stand,  sie erwachte aus einem kleinen Schlummer, ein dunkelrote Kräftige neben ihr. Sie wendete ihren angerußten Docht leicht seitwärts, um besser sehen zu können.  Es war noch eine jungfräuliche Erscheinung, ihr Docht hatte noch kein Feuer gesehen. Aber jungfräulich? Die Kraft, der Wuchs? So standen sie einige Zeit nebeneinander. Würde ihre Zweisamkeit gestört oder sogar unterbunden, wenn sie in der Vitrine vergraben wird oder wird sie sogar entsorgt, weil eine andere ihren Dienst übernehmen soll? Unruhig und unsichtbar wankend überlegte sie was zu tun sei. Dann fasste sie Mut und hauchte ein zartes Kerzen-Du. Da sie keiner Antwort gewahr wurde, jedoch an der Bewegung des anderen Dochts Regung erblickte, hauchte sie erneut, etwas energischer, sofern man dies von Kerzen überhaupt sagen konnte. DU? Du weckst mich? Hast du geschlafen? Was macht eine Kerze wohl, wenn sie nicht brennt? Und vor allem, wenn sie noch nie brannte und  gar nichts weiß? Entschuldigung, ich wollte nicht stören.  
Nun hatte sie der Mut verloren und sie vergrub sich schüchtern in Verlegenheit. Ihr gelb wurde bleich, was von der anderen wohl vernommen wurde. Entschuldigung? Wofür? Na ja. Schon gut. Und? Sie nahm allen Mut zusammen. Weißt du, unser Schicksal ist doch, dass wir immer allein unser Leben fristen, nur eine brennt und die andere wird ignoriert, weggestellt, abgelegt oder sogar entsorgt. Heute macht sich ja niemand mehr die Mühe, aus unseren Resten neues zu formen. Früher da hatten wir ein ewiges Leben. Wie meinst du das? Ach du bist noch so jung. Als die Menschen selbst aus kleinsten Kerzenresten neue Kerzen erschufen, waren wir unsterblich, weil wir in jeder Nachfolge ein Teil waren. Und heute? Da wirft man uns weg.
Nachdenklichkeit erfüllte den Raum. Alles vergeht. Nichts bleibt.
Was können wir denn dagegen tun? fragte die rotbraune. Nichts . Nichts? Nichts. Doch. Was? Wir müssen aus unserem Kerzenleben das Beste machen. Komm doch mal etwas näher. Wie soll ich das machen? Einfach etwas hin und her schaukeln.
Langsam, kerzenlangsam bewegten sie sich aufeinander zu. In Dochtnähe sozusagen. Du duftest wie eine Blumenwiese, komplimentierte die Rote. Und du wie eine kräftige Esskastanie.  Und nun? Wir müssen warten. Worauf? Dass eine von uns entzündet wird. Entzündet, dachte die gelbe, bin ich doch schon, aber sie hätte es nie sagen wollen. Und dann?
Sie schwiegen, der Hausherr setzte sich an den Tisch, nahm ein Buch zur Hand und – das Schicksal zeigte sich – zündete die gelbe Kerze an. Ich mag es, wenn er mich anzündet. Er nimmt Streichholz. Feuerzeuge sind sehr heiß und verbrennen mir manchmal den Hals. Kommst du noch etwas näher? Näher geht nicht. Doch, neige deinen Docht etwas zu mir. Und dann? Dann komme ich dir mit meinem entgegen. Hm? Und wenn du nah genug bist, wird dich meine Flamme entzünden. Wozu? Wir sind doch beide allein und geben ein kleines Licht. Wenn wir zusammen brennen wie eine große Flamme, dann ist unser Licht heller und wärmer, Und wenn es dem Herrn gefällt, dürfen wir immer gemeinsam brennen und leuchten. Gemeinsam verstehst du?
Das schöne Licht gefiel dem Hausherrn.
Und wenn sie nicht erloschen sind, leuchten sie immer noch.

Dienstag, 21. April 2015

Noch ein Gedicht

Heute hat sich, es grenzt an Zauber,
die erste Knospe einer Rose geöffnet.
Am Morgen überlegte sie, im frühen Zauder,
ob es für sie der rechte Zeitpunkt wär.

Doch als ich ihr von dir erzählte,
sie sich blinzelnd zu mir wandte,
sich groß und kräftig aus den Blättern schälte,
in roter Farbe prächtig rankte.

Demnächst

Noch 132 Tage, dann habe ich den letzten Abschnitt meines Lebens erreicht.
Ob ich allerdings froh darüber sein soll, vermag ich nicht zu erkennen.

Es ist eine Schande

Da ersaufen 1000 und mehr Flüchtlinge im Mittelmeer  - und Europa ist eine Festung.
Da sind in Griechenland und anderen Südländern 25% junger Menschen arbeitslos und ohne Hoffnung auf ein Stück Leben und unsere Regierung rettet mit 3-stelligen Milliardenbeträgen Banken und warum: Damit die Boni auch weiterhin in Millionenhöhe gezahlt werden können.


Samstag, 11. April 2015

Das waren noch Zeiten

Im Nationalthetaer bei SOULCITY










Früher

Früher konnte ich an keiner Bühne vorbeigehen ohne auf sie zu springen und sie einzunehmen. Immer Frontman. 3000 Mal und mehr müssen es gewesen sein. Und heute bricht mir der Schweiß aus, wenn ich an einen Auftritt nur denke. Ich gebe mich zufrieden damit, so sage ich, an  meinem Flügel Klassisches und anderes nur für mich zu spielem. Ich sage, es genügt mir.
Das Leben und die Liebe sind wohl ausgegangen. Wie Milch und Eier. Letzteres lässt sich kaufen. Stumpfe Zähne und bisslos. Mir bleibt nur, mich daran zu erinnern, dass alles auch noch schlimmer sein könnte.


Was anderes: Vor kurzem habe ich einen Satz von Robert Musil gelesen:

Irgendwann geht Ordnung in Todschlag über.

Das hat er vorlanger Zeit geschireben.
Alles holt uns wieder ein.
 

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Nachteile

Das Alleinsein hat auch seine Nachteile: Man kann keine zwei Marmeladengläser zur gleichen Zeit geöffnet haben ......

Samstag, 27. September 2014

Der Sinn des Lebens

Wir suchen nach dem Sinn des Lebens, alle tun wir das.
Wenn aber nun das Leben keinen Sinn hätte,
oder wenn der Sinn des Lebens eben gerade darin bestünde, keinen Sinn  zu haben,
denn gäbe dieser Nichtsinn unserem Leben wieder einen Sinn.
Glück auf!

Samstag, 22. Dezember 2012

Für alle - von meinem Tannenbäumchen



Von drauß' vom Walde kommt es her,
und sagte mir, 's weihnachtet sehr.
ich dacht' bei mir, so im geheimen,
der kann doch mich damit nicht meinen.

Tu mir doch diesen Glitterkram,
wie sich's gebührt, ja niemals an.
Bin stets ein aufgeklärter Geist:
Der Himmel ist schon lang verwaist.

Doch meine kleinen Tannenspitzen,
wo jetzt, ich spür's, die Englein sitzen,
berühren sanft mit lichten Kerzen
mich tief, ganz unten, fest im Herzen.

Drum komm' das Christkind zu euch allen,
ich wünsch' dass es euch stets bewacht,
mög' euch in größter Freud' gefallen
der Segen bald der heiligen Nacht.

Am Küchentisch


Ich sitz' an meinem Küchentisch
Und starr' in den Kaffee.
Und wie auch meine Lampe schimmert.
bin's doch nur ich, den ich da seh‘.
Ich schau auf einen leeren Stuhl,
Dessen  Gedanken ich belausche.
‚S ist nur ein innerer Dialog,
mit meinen Tinitus ich tausche.

Sitze auf dem gegenüber,
die Tasse ist jetzt leer,
und hör, wie sehr es in mir wimmert,
dort saß oft wer, jetzt nimmer mehr.
Es war ‚ne Sie, der ich, oh Jammer,
die Lieb‘ verletzt‘, die sie mir gab.
Wohne allein im meiner Kammer,
Vielleicht erfreut sie’s, wenn ich klag.

Ich dachte wohl im Übermut,
es gäbe auch noch andere.
Und Luftveränderung tät mir gut,
wenn ich zur nächsten wandere.
Doch im Herz regiert jetzt Grausen,
wenn ich ihrer nun gedenk.
Warum ließ diese Frau ich sausen,
des Gottes Amor schönst‘ Geschenk.

So sitz’ ich halt am Küchentisch,
trink' anstatt Kaffee manchmal Tee.
Der Grund ist einfach zu benennen,
auf einem Tee ich nie was seh.
Sitz' wieder auf dem andern,
mit einem traurigen Gesicht.
Und denke an den Friedrich Schiller,
der von Herz-zu-Herzen spricht.

Was nützt allkluger Klassik-Geist,
wenn man ihn frech zur Seite schiebt,
und nicht erkennt in seinem Wahn,
dass eine Frau dich innig liebt.
Dann bleiben andrer Stühle leer
Bist ja selbst schuld, dann gräme dich,
schaust statt ‚ner Tasse in ein Glas‘
und liegst bald unter statt am Tisch.

Nur ein Traum?


Am Ende ist doch alles nur ein Traum.
Du machst die Augen zu, du fällst, und hängst am Baum.
Ein paar scheue Vögel schauen leicht verstört,
die bied‘ren Hausfrau’n sind verstört,
du sollst in keiner Erde ruh’n
für solch frevelhaftes Tun.

Und wenn dein Körper langsam  dörrt,
und deine Seele, wenn sie’s gibt, den Himmel stört,
wird dann der liebe Gott dort oben
nicht wie ein Wilder mit dir toben?
Ach nur gut, ich glaub nicht sehr.
Es bleibt nichts übrig, bin nicht mehr.