Samstag, 22. Dezember 2012

Nur ein Traum?


Am Ende ist doch alles nur ein Traum.
Du machst die Augen zu, du fällst, und hängst am Baum.
Ein paar scheue Vögel schauen leicht verstört,
die bied‘ren Hausfrau’n sind verstört,
du sollst in keiner Erde ruh’n
für solch frevelhaftes Tun.

Und wenn dein Körper langsam  dörrt,
und deine Seele, wenn sie’s gibt, den Himmel stört,
wird dann der liebe Gott dort oben
nicht wie ein Wilder mit dir toben?
Ach nur gut, ich glaub nicht sehr.
Es bleibt nichts übrig, bin nicht mehr.

Montag, 20. August 2012

Flucht

Einst floh ich vor meinem Leben, es passte nicht zu mir, dachte ich.
Dann entfernte es sich von mir, es konnte nichts mir mir anfangen.
Dann kam alles ganz anders.
Ich bin ihm entwachsen, komme mir vor wie ein Junge, dessen Hosenbeine zu kurz
geworden sind.

Sein

Wer nicht weiß, dass er ist, ist.
Wer darüber nachdenkt, ob er ist, war.

Montag, 23. Januar 2012

Leben

Wie lebt es sich mit der Gewissheit, dass das Leben zu kurz ist um lang zudauern?
Gut, da jede Sekunde die letzte sein könnte.

Montag, 2. Januar 2012

Nachbetrachtung

Alle Jahre wieder muss das Christkind erleben, dass an nebligen Novembertagen sich die Weihnachtslieder in den Kaufhäusern breitmachen, Nikoläuse, eingepackt in rotem, blauem und grünem Allerlei zur Schau gestellt werden und Wackeldackel – Bären auf künstlichen Schneematten, glitzerndem Lametta und neuzeitlichem, aber hässlichem Weihnachtsbehang ihr Tagwerk verrichten. Allerorten bedrängen Weihnachtsmärkte, dem Kunsthandwerk, der Christbaumkugelkunst oder dem Mittelalter verpflichtet, uns Menschen, zu frohlocken. Für wen? Currywurst mit Pommes, den edlen Erzgebirgskredenzen, den Pfannkuchen, Waffeln, Zuckerwatten, Hüten, Pfannen und – ohne ihn würden Weihnachtsmärkte solche nicht sein – Glühwein. Würde Jesus erneut zur Erde niederfahren und sähe solches Treiben, mit Feuer und Schwert triebe er wie weiland im Tempel alle Geschäftemacher vor sich her, um ihnen ständig in den Hintern zu treten.

Ich würde ihm raten, aber wer fragt mich schon, den Zauber der Weihnacht zu entführen, am besten an einen Ort, der Menschen unzugänglich ist.

Brief an den Bundespräsidenten

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

ich hätte Sie gerne mit ‚mein lieber‘ angesprochen, aber es steht mir nicht zu, Sie so ganz für mich alleine in Anspruch zu nehmen, Sie gehören doch dem ganzen Volk, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall sollen Sie in Ihrem Amtseid gesagt haben, dass Sie dem Wohle des ganzen Volkes dienen würden und Schaden von ihm fernhalten wollen und wer weiß was, Sie noch alles gelobt haben. Und das Wort ‚lieber‘ brachte ich nicht über meine Lippen. Ich weiß ja nicht, ob Sie lieb sind. In der Öffentlichkeit zeigen Sie stets ein herzallerliebstes Lächeln. Dies vermag ich ebenso zu tun, so dass alle um mich herum mich einen netten Menschen nennen, obwohl ich in meinem Leben schon oft ein rechter Sauhund gewesen bin. Ist das bei Ihnen auch so? Sind Sie manchmal auch, verzeihen Sie, dass ich mir die Frage erlaube, also sind Sie manchmal auch so ein rechter Sauhund? Wobei ich dies keineswegs politisch verstanden wissen will, der allgemeine Sprachgebrauch spricht eben nicht von einem linken Sauhund, ohne politisch zu argumentieren, der rechte Sauhund ist soweit ich weiß, dem bayrischen entliehen. Aber das wissen Sie ja besser als ich. Noch ein Grund, warum es sich nicht geziemt, Sie mit ‚lieber Bundespräsident‘ anzusprechen, liegt darin, dass ich nur Menschen in dieser Form anspreche, die mir nahe stehen, die ich in mein Herz geschlossen habe, die ich mag. Entschuldigen Sie, Sie mögen der Präsident Deutschlands sein, aber wir kennen uns nicht näher, und ich glaube auch nicht, dass ich Sie bei näherer Betrachtung in mein Herz schließen werde. Sind Sie eigentlich auch ein Beamter? Oder sind Sie nur ein Präsident? Das scheint mir doch von grundsätzlicher Bedeutung zu sein, was den allgemeinen Sprachgebrauch betrifft. Auf jeden Fall haben Sie einen Amtseid als Präsident abgelegt, da sind wir uns ja doch sehr nah. Auch ich habe einen Amtseid abgelegt, als ich in den Staatsdienst eintrat. Ich habe beim Heben meiner rechten Hand gelobt, das Grundgesetz und die Verfassung des Landesbaden Württemberg und das Recht achten und Gerechtigkeit gegen jedermann und – frau, so verstehe ich das, üben werde. Ihren Text habe ich nachgelesen. Im Grunde eine Erweiterung dessen, was ich gelobte. Da haben Sie sich viel zugemutet. Es sei Ihnen verziehen, dass Sie nicht alles halten konnten. Ich fühle mit Ihnen, allerdings hält sich mein Mitgefühl in Grenzen. Zudem muss ich alljährlich ein wenig würgen bei dem Gedanken, meinen jungen beamteten Kolleginnen und Kollegen den Korruptionserlass zu vermitteln in dem Wissen, dass Sie als Staatsoberhaupt eine hohe Summe zu günstigsten Konditionen, ich kenne die Verträge nicht, ich verlasse mich aber auf die freie Presse, denen Sie, wie ich hörte, gerne einen Maulkorb verpasst hätten, von einem befreundeten Unternehmer erhalten haben sollen und dies mit einem beträchtlichen Zinsvorteil. Würde ich z.B., vorausgesetzt ich arbeitete bei einem Gericht in der Insolvenzabteilung, von einem Insolvenzverwalter, der in einigen meiner Verfahren als solcher tätig ist, ein zinsgünstiges Darlehen als Zwischenfinanzierung annehmen und hierdurch einen geldwerten Vorteil erzielen, würde die ortsansässige Staatsanwaltschaft mich wegen Bestechlichkeit anzeigen, die angerufene Gerichtsbarkeit ein Urteil fällen und wie bereits mehrfach in meinem Umfeld geschehen, die Höhe der Strafe so festsetzen, dass ich nach Rechtskraft meinen Arbeitsplatz, meinen Beamtenstatus und meine Pension verlieren würde. Das wollte ich Ihnen zur Entscheidungsfindung mit auf den Weg geben, oder sind wir wieder bei Königs: Ich Chef, ihr nix.

Ihr (sich) ergeben(d)er Bürger

Samstag, 19. November 2011

Eine neue Liebe

Eine neue Liebe sei, so ein unbekannter Poet vergangener Schlagerzeiten, wie ein neues Leben. Unser Augenmerk sollte sich auf das Wörtchen „wie“ richten. Wir schenken unserer Seele ein neues Mäntelchen, decken es über sie und wähnen uns in der Hoffnung, jene hierdurch überlisten zu können. Gar traurig und enttäuscht müssen wir erkennen, dass das Mäntelchen nicht passt, neue Kleider keinen neuen Menschen erzeugen und eine neue Liebe kein neues Leben schenken kann.